Freitag, 23. Mai 2008

Der erste Mann der den Fluss Uji durchquerte! und baldiger Umzug!

So es ist mal wieder Zeit für eine Übersetzung zum posten! Ich hab jetzt endlich das Kapitel des 平家物語 (Heike Monogatari) genannt 宇治川先陣 (Ujigawa no Senjin, Der erste Mann der den Fluss Uji durchquerte) fertig übersetzt. War gar nicht so leicht, dass aus dem altjapanischen in halbwegs anständiges Deutsch zu bringen, aber man wächst ja an den Aufgaben. Aber bevor ich das (natürlich lang erwartete!!!) Ergebnis hier einfüge nochmal ein paar Worte zu meinem/unserem bevorstehendem Umzug! Ganz recht, wir haben eine 2-Zimmer Wohnung "gefunden". Das ganze ist vom Wohnheim, deswegen geht das ganze relativ unproblematisch für mich.Endlich komm ich aus dieser 1-Zimmer 12m² Hölle raus! Naja Hölle ist etwas zu viel, aber eng war es trotzdem zu zweit. Montag wird alles klar gemacht, hoffe ich jedenfalls.
Wenn wir dann eingezogen sind, poste ich natürlich Bilder!

Jetzt aber wieder zur Übersetzung. Das Kapitel spielt während des Genpei Krieges und ist der Auftakt der Schlacht zwischen den Truppen der Generäle Minamoto no Yoshitsune und Kiso Yoshinaka auf der anderen Seite. Markant an dem Kapitel ist der Humor! Man kann sagen, dass es einige der wenigen Stellen des Werkes ist wo absichtlich ein Witz eingebaut wurde. Ansonsten ist es mehr oder weniger nur unfreiwillig komisch, was aber für mich mindestens genauso gut ist ;-) Manchmal ist der Text sehr holperig und hat schnelle Szenenwechsel. Es ist einfach nicht zu 100% Prosa, sondern eher geschichtliche Aufzeichnungen gewürzt mit künstlerischer Freiheit. Wenn die Autoren oder der Autor (ist nicht so klar) sich über gewisse Ereignisse nicht im klaren waren, fielen die einfach knapper aus. Von daher sollte man erzählerische Unfeinheiten verzeihen!

Nach diesem Kapitel habe ich noch ein weiteres aus dem Heike Monogatari was ich dann demnächst veröffentlichen werde. Außerdem hab ich noch ein paar andere kurze Texte und Gedichte (auch moderne Sachen) die ich hier noch gerne bringen würde. Ich versuch dann auch hauptsächlich humorvolle (unfreiwillig oder absichtlich) Inhalte zu veröffentlichen, gerade auch weil diese mir auch am liebsten sind. Immer mit der Hoffnung, dass es irgendwen ein bisschen interessiert. ;-) Aber nun viel Spaß mit dem Kapitel:

"Der erste Mann der den Fluss Uji durchquerte"

Das Pferd, das Sasaki Shirou Takatsuna erhalten hatte, war ein brauner Hengst mit schwarzer Mähne.
Es war außerordentlich stark und kräftig, aber weil es sowohl Mensch als auch Pferd nicht an sich heran lies, erhielt es den Namen Ikezuki (verrückter Beißer). Man sagt, es wäre rund 4 Zoll größer als andere Pferde gewesen.
Auch Surusumi (Tintenblock), das Pferd das Kajiwara Genda Kagesue bekommen hatte, war außergewöhnlich stark und kräftig und ob seiner pechschwarzen Farbe trug es diesen Namen.
Beide waren unvergleichlich gute Pferde.

Von der Provinz Owari aus ritten sie in Front- und Rückseitenstreitmacht geteilt auf die
Hauptstadt zu. Der General der Frontstreitmacht war (Kaba no onzôshi) Noriyori. Unter seinem Kommando standen:

Takeda no Tarô
Kagami no Jirô,
Ichijô no Jirô,
Itagaki no Saburô,
Inage no Saburô,
Hangae no Shirô,
Kumagae no Jirô und
Inomata no Koheiroku

Insgesamt waren es 35.000 Reiter, die sich nach Noji und Shinohara der Provinz Omi zuwandten.
Die Rückseitenstreitmacht von General (Kurô onzôshi) Yoshitsune unter anderem begleitet von:

Yasuda no Saburô,
Ôuchi no Tarô,
Hatakeyama no Shôjijirô,
Kajiwara Genda,
Sasaki Shirô,
Kasuya no Saburô,
Shibuya no Uma-no-Jô und
Hirayama no Mushadokoro.

Zusammen waren es 25.000 Reiter, die über die Provinz Iga bis zur Brücke in Uji zogen.
Jedoch waren sowohl die Brücken von Seta als auch Uji entfernt worden und auf dem Grund des Flusses waren Pfosten eingeschlagen, verbunden mit Seilen an denen wiederum Dornengewächs befestigt war.

Weil schon der 20te des ersten Monats überschritten war, war es genau die Zeit, in der der Schnee aus dem Vorjahr in den Hochebenen von Hira, den Bergen in Shiga und auf dem Berg Nagara bereits verschwunden, das Eis der Täler bereits geschmolzen und demzufolge das Wasser angestiegen war. Die weißen Wogen des Flusses türmten sich auf und stürzten nieder, der Strom der sich brechenden Wellen dröhnte und das aufgewühlte Wasser floss schnell dahin.

Als die Nacht langsam dem Tage wich und der Nebel dicht über dem Fluss stand, waren weder das Fell der Pferde noch die Schnüre der Rüstungen klar zu erkennen.
Es war zu dieser Zeit, als General Yoshitsune an das Ufer des Flusses vortrat, den Blick über die Wasseroberfläche streifen lies und, wohl um die Herzen seiner Männer zu testen, verlauten lies: „Wie nun sollen wir verfahren? Sollen wir uns nach Yodo oder Imoarai wenden und den Fluss meiden, oder warten bis das Wasser zurück weicht?“ Dies gesprochen, wandte sich Hatakeyama no Shigetada, der zu diesen Zeitpunkt ein Jungspund von gerade einmal 21 war, zum Ufer des Flusses und sprach: „Wir haben in Kamakura bereits zur Genüge Belehrungen über diesen Fluss erhalten! Es ist ja nun wirklich nicht so, dass dieser Fluss euch unbekannt und gerade erst zutage getreten wäre. Da dieser Fluss dem Biwa-See der Provinz Ômi entspringt, mögen wir warten und warten, dennoch schwinden wird er nicht. Ferner wird uns auch wohl niemand eine Brücke bauen! Aber waren es etwa zornige Götter, die Ashikaga no Matatarô Takatsuna in der Schlacht von Jishô verhalfen, den Fluss zu überqueren? Ich, Shigetada, werde mich in den Fluss wagen.“ Dies verkündet, gerade als sich die 500 Reiter des Klans der Tan als erste Trense an Trense aufreihten, preschten von der Tachibana Sandbank im Nordosten des Byôdôin zwei Reiter heran. Einer von ihnen war Kajiwara Genda Kagesue, der andere Sasaki Shirô Takatsuna. Auch wenn die anderen es nicht ahnten, so hatten sich die beiden im Herzen entschlossen, die Ersten zu sein. Aber Kajiwara war Sasaki mehrere Längen voraus. Als Sasaki rief, „Dieser Fluss ist der Größte in den westlichen Provinzen! Euer Sattelgurt scheint lose, zieht ihn fest!“, stieg Kajiwara, der wohl auch schon daran gedacht hatte, mit beiden Beinen fest in seine Steigbügel, schmiss die Zügel in die Mähne des Pferdes und festigte den Gurt. Währenddessen zog Sasaki an ihm vorbei und spurtete in den Fluss. Kajiwara dachte wohl bei sich, ob er nicht betrogen wurde und hechtete kurz darauf hinterher. Als er ihn warnte: „Obacht Fürst Sasaki, dass ihr nicht um des Ruhmes willen Ungeschick walten lasst. Auf dem Grund des Flusses sind gewiss Seile gespannt.“, zog Sasaki sein Schwert und schnitt die Seile, die die Füße seines Pferdes erreichten durch. Auf Ikezuki, dem weltbesten Pferd, ritt er, auch wenn der Strom stark war, schnurgerade zur anderen Seite des Flusses und stieg das Ufer hinauf.
Kajiwaras Pferd Surusumi hingegen wurde ab der Mitte des Flusses von der Strömung schräg abgedrängt und ging deutlich weiter flussabwärts an Land.
Sasaki richtete sich im Sattel auf und verkündete lautstark seinen Namen: „Ich Sasaki Shirô Takatsuna, Nachkomme der neunten Generation des Kaisers Uda, Sohn des Sasaki Saburô Hideyoshi, bin der erste der den Fluss Uji durchquerte! Wer glaubt meiner würdig zu sein, der messe sich mit mir!“

Daraufhin passierte Hatakeyama mit seinen 500 Reitern den Fluss. Da aber seinem Pferd von der gegenüberliegenden Seite durch Yamada no Jirô in den Kopf geschossen wurde, arbeitete er sich von der Mitte des Flusses an mit seinem Bogen als Stütze weiter voran. Obwohl im das Wasser bis zum Rand seines Helms reichte, kümmerte ihn das wenig und er kam, nach mehrmaligem untertauchen, am Ufer an. Als er gerade im Begriff war, das Ufer zu erklimmen, spürte er wie ihn jemand von hinten kräftig zog. „Wer ist da“, fragte er, „Shigechika“ kam als Antwort. „Bist du es etwa, Ôkushi?“. „So ist es!“. Ôkushi no Jirô Shigechika war das Patenkind von Hatakeyama. Auf dessen Klage: „Der Strom des Wassers war zu stark, mein Pferd wurde hin fort getrieben! Und weil meine Kraft nicht ausreichte, klammerte ich mich an euch!“, entgegnete Hatakeyama bloß: „Ihr jungen Kerle glaubt wohl, dass ihr von Leuten wie mir, Shigetada, aus jeglicher Mißlage befreit werdet!“ und während er dies sagte, packte er Ôkushi und warf ihn ans Ufer. Dieser stellte sich sofort stramm auf und verkündete: „Ich Ôkushi Jirô Shigechika, stammend aus der Provinz Musashi bin der erste Mann, der denn Fluss Uji durchquerte...zu Fuß!“. Dies hörend brachen sowohl Freund als auch Feind in schallendes Gelächter aus.

Danach erklomm Hatakeyama sein Ersatzpferd. Ihm entgegen kam ein Feind welcher einen Hitatare aus Damast mit Fischwappen und darüber eine rotgeschnürte Rüstung trug. Auf seinem Apfelschimmel, der einen mit Gold beschlagenen Sattel trug, ritt er geradewegs auf ihn zu und als Hatakeyama ihn aufforderte: „Wer kommt da angeritten, gebt euch zu erkennen!“, verkündete dieser: „ Ich bin Nagase no Hangandai Shigetsuna, Mitglied der Familie von Fürst Kisô Yoshinaka!“
„Euch opfere ich dem Kriegsgott!“, sprach Hatakeyama, ritt auf eine Höhe mit ihm, riss ihn vom Pferd drehte ihm den Hals um und nahm seinen Kopf. Diesen gab Honda no Jirô zur Aufbewahrung, welcher ihn an seinem Sattel befestigte.

Zum Anfang konnten die Truppen des Fürst Kisô Yoshinaka die Stellung an der Brücke über den Fluss Uji noch für eine Weile halten, aber als die Truppen aus den östlichen Provinzen alle den Fluss durchquert hatten und angriffen, wurden sie aufgerieben und flüchteten Richtung Kohatayama und Fushimi.
Die Truppen die nach Seta zogen, überquerten dank eines Einfalls von Inage no Saburô Shigenari die Stromschnellen von Tanakami no guko.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Henning,

als gewesener Heeresoffizier die Frage: Was muss ich mir unter einer "Rückseitenstreitmacht" vorstellen?
Wenn es die gute alte "Nachhut" ist, solltest Du Dir auch die Freiheit nehmen, solche seit den Griechen der Antike gängigen Fachbezeichnungen zu verwenden, da die wortnahere Übertragung zusammengesetzter Ausdrücke mehr verdunkelt, als dem Leser erhellt.